Sensorische Prüfung
Sie läuft nach einem festen Muster ab, gleichgültig ob in Indien, Deutschland oder England – also den Ländern, in denen unsere Teetester den Darjeeling verkosten. Der Tee wird mit einer Handwaage abgewogen – ein altes Sixpence-Stück mit 2,86 Gramm (das britische Empire lässt grüßen) dient als Gegengewicht. Die Teeblätter kommen in ein Deckelgefäß mit Zackenrand und werden mit siedendem Wasser angegossen. Dann wird die Uhr auf fünf Minuten Ziehzeit gestellt und die Gefäße, die jeweils 120 ccm fassen, werden bis zum Rand mit siedendem Wasser aufgefüllt und „abgedeckelt“, also mit dem Deckel verschlossen. Nach Ablauf der Ziehzeit wird der Tee in den Teebecher gefüllt. Dabei wird das Deckelgefäß schräg auf die Teeschale gesetzt, so dass der Tee durch die Zacken des Deckelgefäßes fließt. Die gekochten Teeblätter, die so genannte Infusion, bleiben am Deckel haften, der umgekehrt auf das Deckelgefäß gestellt wird. Die abgegossenen Teeblätter weisen je nach Anbaugebiet ganz besondere Charakteristika auf und werden ebenfalls mit Augen und Nase geprüft. Eine Infusion, die als „leuchtend“ bezeichnet wird, zeigt oft einen guten Tee an, der auch ein zweites Mal aufgegossen werden kann.
Der Aufguss wird begutachtet – am besten bei Tageslicht, in einem Raum, der nach Norden weist, um eine gleichmäßige Beleuchtung zu gewährleisten. Dann nimmt der Teetester einen Schluck aus dem Teebecher (oder einen Esslöffel voll) und prüft den Tee auf „Herz und Nieren“. Schlürfen und schnalzen hilft, den Tee über die Zunge zu verteilen, damit jede kleine Geschmacksnuance erfasst wird. Ähnlich wie beim Verkosten von Wein gibt es auch hier feststehende Begriffe, mit denen das ganze Spektrum des Tee-Aromas erfasst werden soll: Ein „abgerundetes“ Aroma bedeutet, dass sich süße und saure Einzelkomponenten gut ergänzen. Riecht und schmeckt ein Tee dagegen „überfeuert“, dann ist der Trocknungsvorgang bei zu hohen Temperaturen erfolgt. Der Tee wird nicht heruntergeschluckt, sondern in einem Napf, den „spittoon“, gespuckt. Dann geht es an die nächste Probe…
Bis zu 500 Teeproben kann ein Teetester pro Tag verkosten.

